Riskieren wir genug, um zu leben oder funktionieren wir im Alltag häufig nur noch? Bronnie Ware, eine australische Krankenschwester, befragte jahrelang Menschen, die im Sterben lagen, was sie gerne anders gemacht hätten in Ihrem Leben. Die meisten Menschen hätten gerne den Mut gehabt, mehr ihr eigenes Leben zu leben, ohne auf die Erwartungen anderer Rücksicht zu nehmen.

Mit diesem ersten Blogeintrag möchte ich gerne meine Erfahrung der letzten 6 Monate teilen. Eine Zeit, in der ich mehr als üblich riskiert habe, um die eigene Begeisterung und Lebendigkeit zu finden. Haben Sie gerade das Gefühl, dass Sie mehr funktionieren, als ihr Leben selbst zu gestalten?

Meine Freunde würden sicherlich sagen, dass ich ein sehr selbstbestimmtes Leben führe und sehr viele Freiheiten habe. Gleichzeitig bin ich ein Teamplayer und versuche häufig, alle Interessen so zu kombinieren, dass das bestmögliche für Alle dabei herauskommt. Das hat zur Folge, dass ich mich oft nach den Erwartungen anderer orientiere und manchmal vergesse, mutig danach zu suchen, was mich persönlich ausmacht und das zu leben. Kompromisse machen mich glücklich, denn ich konnte anderen Menschen helfen. Es fühlt sich so wie eine Balance an und Harmonie.

Ist aber wirklich alles in Balance? Als ich in mein Inneres schaute, bemerkte ich, nicht erfüllte Wünsche und nicht ausgedrückte Gefühle wie zum Beispiel Wut. Ist das nicht der Preis, den man zahlt für Kompromisse? Ja und Nein. Wenn das eigene Leben zu einem Kompromiss wird, dann läuft man Gefahr, sein eigenes Leben zu verlieren und genau das zu bedauern, was so viele Menschen in Ihrem Leben bedauern, nicht authentisch gelebt zu haben. Und wer kann es ändern oder bemerken? Nur wir selbst!

Die Erkenntnis, dass ich unerwartet viele Erwartungen erfüllte, war zu Beginn sehr schmerzhaft und die ersten Schritte in die neue Richtung ebenfalls. Phasen, in denen es einem nicht gut geht, sind häufig das Tor zu neuen Chancen. So war es zu Beginn dieses Jahres. Ich war krank, mein Firmencomputer war lange in der Reparatur und ich aus mehreren Gründen lahmgelegt, privat und beruflich. Da blieb viel Zeit, sich mit mir zu beschäftigen und meine Wut kam mehr an die Oberfläche. Auf der Play4agile Konferenz 2013 lernte ich die Methode Temenos kennen und erhielt viele weitere, wichtige Impulse, die mir dabei halfen, zu erkennen: Ich brauchte eine Auszeit. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich ein klares Gefühl hatte, eine längere Auszeit ist genau das Richtige.

Meine Wahl fiel auf eine Auszeit in der Wüste in Tunesien, angeboten von Charles Kunow und Martin Abel. Mit dieser Entscheidung, verletzte ich viele Erwartungen aus meinem Umfeld. Ein Umstand, den ich sonst immer versuchte zu vermeiden in meinem Leben. Das war sehr schwer, andere Menschen leiden zu sehen, nur weil ich mein Leben leben will und riskieren möchte. Die Wüste gab mir den Raum zu mir zu kommen, mich zu spüren und einige Erwartungen loszulassen. Erwartungen, die ich auch an mich selbst stellte wie eine erfolgreiche Karriere, eine einflussreiche Position etc. Seit dieser Zeit bemerke ich häufiger, wenn ich versuche, Erwartungen zu erfüllen, die nicht meinen wirklichen Wünschen entsprechen. Ich bemerke die inneren Konflikte und habe die Chance, einen kleinen Schritt in die Richtung zu machen, freier und lebendiger zu leben. Das hat immer damit zu tun, sich ganz einzulassen und sich auch dafür Zeit zu nehmen, statt eine nicht zufriedenstellende Lösung zu akzeptieren. Sei es im Beruf oder Privatem.

Seit dieser Zeit hat sich mein Leben qualitativ zum Positiven verändert. Ich lernte die Temenoslabs kennen in Amerika und fand meine Begeisterung für diese Art der Arbeit, über die ich in meinem nächsten Blog schreiben werde. Gemeinsam mit Olaf Lewitz, habe ich die Möglichkeit, diese Methode in Europa jetzt bekannt zu machen und einen sinnvollen Beitrag zu einem erfüllteren Miteinander in Unternehmen und im Privaten zu leisten. Das erfüllt mich mit großer Freude und wirklicher Begeisterung. Hätte ich nicht den Mut gehabt zu dieser Auszeit, hätte ich diese Chance nicht erkannt und nicht nutzen können. Die Kooperation zu Herrmann International Deutschland hat sich vertieft, neue Berater und Firmen sind zu meinem Netzwerk dazugekommen. Privat gönne ich mir seit diesem Jahr kreative Räume zur Musikimprovisation, die mir sehr gut tun. Räume, in denen es wirklich keine Erwartung gibt. Es muss nichts herauskommen, keine Leistung und kein Ergebnis. Die Konzerte sind „einmalig“. Gerade gestern saß ich mit meiner Freundin danach zusammen und wir fanden es sehr luxuriös, dass diese Konzerte nur für uns sind und nicht wiederholbar.

Das Risiko hat sich schon jetzt gelohnt, genauer wahrzunehmen, was mich wirklich begeistert und wo ich einen sinnvollen Beitrag in diesem Leben momentan leisten kann. Mit viel mehr Menschen habe ich eine authentische Verbindung aufgebaut und fühle mich akzeptiert, anerkannt und geliebt. Ich bin mir sicher, es ist erst der Anfang. Ich würde mich freuen, wenn ich hiermit dazu anrege, ähnliche Wege zu gehen. Der Dalai Lama beschreibt in seinem Buch, es beginnt bei unserem inneren Frieden.  Nach den Erfahrungen in diesem ersten Halbjahr weiß ich mehr, dass es darum geht, sein Leben wirklich zu riskieren um mehr Frieden und innere Erfüllung zu finden. Ein Gefühl, dass einen unabhängiger von äußeren Erfolgen, Anerkennungen und materiellen Gütern werden lässt. Ich freue mich, wenn ich immer mehr Wegbegleiter entdecke, in meinem Privatleben, bei Geschäftspartnern und Kunden, die diesen Weg mit mir teilen.

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu “Über den Mut, das Leben zu riskieren”

  1. Olaf Lewitzam 09.07.2013 um 14:15

    Inspirierend! Wow:-)
    Mag die Offenheit, mit der du schreibst. Erzeugt eine authentische Verbindung zu dir als Mensch…
    Freue mich auf neue Abenteuer!
    Hugs
    Olaf

  2. Christineam 09.07.2013 um 14:31

    Schön. Das ist ja genau, was wir möchten .-)
    Danke Olaf und auf weitere gemeinsame Abenteuer

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