Jörn Hendrik Ast (Blog http://ffluid.de/blog/) setzte als erster Impulsredner auf dem PMCamp13 in Berlin den Ton im wahrsten Sinne des Wortes. Das was er sagte saß und so startete er:

„Wie ist das denn nun genau mit dem Scheitern. Eigentlich ist es doch wohl oft ein Tabu. Scheitern ist eigentlich nicht erlaubt. Es zeigt eine Schwäche,  ein Versagen und das wird nicht gerne gesehen und zugeben mag man das schon gar nicht. Und doch gehört das Scheitern zum Leben dazu. Als Kinder scheitern wir immer und immer wieder. Beim Sprechen und Laufen lernen zum Beispiel. Bis wir es dann nach und nach doch noch schaffen, diese schwierigen Dinge zu lernen. Kindern gestehen wir das zu, Erwachsene sollen es dann besser wissen und eher keine Fehler mehr machen. Da wird es dann sehr anstrengend. .. Es müsste sich wohl etwas grundlegendes in unserer Gesellschaft ändern, damit wir eine Kultur des “Scheitern Dürfens” entwickeln….“

Sein Impuls inspirierte Olaf Lewitz (Blog: www.trustartist.com) und mich (www.ecomenta.de) dazu, mit der Temenos Methode (www.trusttemenos.de) „Clean Slate“ dem Scheitern auf den Grund zu gehen. Jörn Hendrik Ast erlebte als Zuhörer wie in dieser Session sein Impuls anhand einer persönlichen Geschichte eines Teilnehmers lebendig wurde.

Die Methode, die wir benutzten, heißt Clean Slate, übersetzt „reinen Tisch machen“. Sie ist in besonderem Maße dafür geeignet, eine komplexe Situation in einem System zu analysieren. Mit ihr gewinnet man im Einzel- oder Gruppencoaching einen Überblick, erarbeitet sich Handlungsalternativen und kann erkennen, welche Wahl man treffen kann und welchen nächste Schritt in Richtung des eigenen Ziels man gehen möchte. Wir erkennen, wo unsere Freiheit der Entscheidung liegt und können damit Verantwortung für unser Leben übernehmen, was uns motiviert und unser Selbstbewusstsein stärkt.

„Reich zu sein bedeutet heute, die Wahl zu haben“ (Seth Godin)

Clean Slate eine Temenos Methode

Clean Slate und die freie Wahl der Entscheidung

Clean Slate, hier in Form des Yin/Yang Symbols gemalt fragt zwei Fragen: Inwieweit habe ich die Anforderungen an mich erfüllt und inwieweit hat man meine Anforderungen erfüllt. Aus dieser Analyse ergeben sich neue Erkenntnisse und Impulse, die im Temenos die Grundlage zur weiteren Analyse der eigenen Erfolgs- und Sabotagestrategien führen und zu neuen Entscheidungen. Hier in dieser Demo-Session zum Thema Scheitern konnten wir eine Entwicklung nachvollziehen, die wahrscheinlich einige junge Menschen sich selbst erarbeiten über Jahre, ohne große Unterstützung von Außen.

Ein Azubi fand sich bereit seine Geschichte in unserer Session zu analysieren. Seine aktuelle Ausbildung bekam er nach unglaublichen 300! Bewerbungen. Nach diesem Satz war große Anerkennung im Raum für sein Engagement. Er hatte bereits zwei abgebrochene Ausbildungen hinter sich und hatte große Schwierigkeiten einen weiteren Ausbildungsplatz zu finden, denn einen „gescheiterten“ Auszubildenden wollte keiner haben. Hier unsere Clean Slate Analyse:

Clean Slate

Clean Slate zum Thema Scheitern

Wir haben den Azubi gefragt, wo hast Du die Anforderungen des Systems nicht erfüllt (linke Spalte) und wo hat das System Deine Anforderungen nicht erfüllt (rechte Spalte). Er analysierte, dass seine hohen Ansprüche an sich selbst, seine unentwegte Frage, die kreative Menschen ausmacht, „macht das Sinn“, gepaart mit der großen Ungeduld und falschen Prioritäten dazu geführt hatten, dass er im Ausbildungssystem zweimal scheiterte. Auf der anderen Seite fehlten ihm „echte“ Herausforderungen, Förderung, Verantwortung, die ihm übergeben wird und die ihn wirklich forderten.

Von den Eltern bekam er mit „Wenn es nicht gleich klappt, dann geht es nicht“. Gemeinsam mit hohen Anforderungen an einen selbst, die gerade bei kreativen Menschen sehr häufig vorkommen, kann das dazu führen, dass wir blockiert sind und es erst gar nicht weiter probieren. Dazu dann die Erfahrungen in unserer Gesellschaft, die Scheitern, nicht als etwas Notwendiges auf einem Lernweg zu einem Erfolg betrachtet, sondern als eine Sackgasse. Jörn Hendrik Ast sagte im Wortsinn so schön, „warum interessieren wir uns immer so sehr für den Erfolg? Der Weg dahin, das ist doch das Spannende, darüber sollten wir vielmehr reden!“

Wenn ich also am System scheitere? Die Antwort war im Raum. Nadja Petranovskaja (http://petranovskaja.com/) half mit der Antwort „Ach und was tun wenn das System mich failen lässt und ich nix dagegen tun kann? Scheiß drauf“ und mach Dein Ding“. Gute Ansätze wie der Entrepreneurship Lehrgang für die 11. Klassen an der evangelischen Schule in Berlin lassen hoffen (Link). Erst vor kurzem fand der Azubi aus unserer Session endlich einen Mentor, der ihn förderte und mit dem er sich austauschen kann. Er kommt aus dem  Gamedesign, einem Bereich, der ihn inspiriert und brennend interessiert.

Der Azubi hörte wie ihn die Teilnehmer als ungewöhnlich mutig, kreativ und engagiert bezeichneten. Er sei jetzt resilienter, besser vorbereitet auf das Leben und gewappnet mit seinen Höhen und Tiefen. Jetzt ist er überzeugt seine aktuelle Ausbildung fertig zu machen und verfolgt seine Talente neben der Ausbildung parallel. Nach einer langen Zeit hat er seinen Weg gefunden.

Eine Geschichte wie es wahrscheinlich viele Geschichten in Deutschland zu erzählen gibt. Meine Hypothese ist, dass unser Ausbildungssystem systemkonforme Teilnehmer erzeugt, also Menschen, die gelernt haben, unsere Spielregeln nicht in Frage zu stellen und dafür gute Noten bekommen. Aber brauchen wir nicht auch die kreativen Menschen, die genau das tun und wie kommen die durch unser Ausbildungssystem? Und reicht damit eine Auswahl der Azubis nach Noten und danach wie wir den Anforderungen gerecht geworden sind? Innovative Firmen sollten sich hier neue Wege überlegen und einige innovative Ausbildungsstätten wie die evangelische Schule unter der Leitung von Magret Rasfeld gehen ähnlich ungewöhnliche Wege.

Unser Azubi ging denke ich mit gestärktem Selbstbewusstsein aus unserer Session heraus, viel Ermutigung und Respekt bekam er von den Teilnehmern für seine Geschichte. Alle arbeiteten für ihn gemeinsam und er war einer von allen. Dieses Arbeiten auf Augenhöhe, der Respekt und das gemeinsame Denken von Ideen, Alternativen und Anregungen, das fasziniert mich immer wieder an Temenos (www.trusttemenos.de) und schafft im Handumdrehen ein Team.

Olaf und ich danken allen die dabei waren und wünschen unserem mutigen Session Teilnehmer viel Erfolg auf seinem Weg.

2 Kommentare zu “Scheitern erlaubt? – eine Kulturfrage”

  1. Jörn Hendrikam 25.09.2013 um 15:51

    Vielen lieben Dank für diese wunderbare Zusammenfassung liebe Christine. Freue mich auf die weiteren Verläufe, die Impulse führten ja schon zu einem „Fail-Camp“ 🙂

  2. Christineam 26.09.2013 um 06:13

    Hallo Hendrik,
    das wäre spannend mit einem „Fail-Camp“, welche Stimmung dort wäre und welche Impulse von dort ausgehen .-)) Sag Bescheid!

    Viele Grüße Christine

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