Archiv für das Tag 'Scrummaster'

Seit vielen Jahren coache ich am Telefon oder vor Ort mit dem HBDI (Hermann Brain Dominanz Instrument). Kunden von mir erhalten ein individuelles Login und erstellen sich Ihr HBDI Profil mit Hilfe eines online Fragebogens in ca. 30 Minuten. Das HBDI Profil visualisiert und dokumentiert in Zahlen die eigenen Denkpräferenzen. Also wie wir eine Fragestellung anpacken und wie wir es bevorzugen zu denken. Letztendlich was uns motiviert, liegt und wo unser Talent ist. Eine ideale Einladung und Start, sich selbst zu reflektieren. Bin ich zufrieden in meiner Rolle als Productowner oder Scrummaster? Wie will ich mich weiterentwickeln? Mit diesem Artikel möchte ich beginnen konkrete anonymisierte Beispiele aus dem Praxisalltag von agilen Teams zu besprechen. 

HBDI als Partner in agilen Changeprozessen

Das HBDI ist aus meiner Sicht ein idealer Partner in agilen Changeprozessen. Es bietet einerseits einen einfachen Einstieg in die Selbstreflexion, andererseits fördert es richtig von der Führung unterstützt Transparenz sowie die Scrumwerte. Offenheit, da die Mitarbeiter motiviert werden, sich offen über Ihre Präferenzen auszutauschen. Respekt, weil die Andersartigkeit erkannt und mehr als Chance gesehen wird. Fokus, weil das HBDI hilft, sehr schnell auf den Punkt zu kommen und Situationen zu analysieren. Es werden mehr Informationen ausgetauscht, damit kann mehr Vertrauen und Zusammenhalt entstehen sowie der Mut, anders zu sein und auch andere darin zu unterstützen. Commitment kann unterstützt werden, weil man sich gegenseitig mehr unterstützt und das Teambuilding damit gefördert wird. All diese Werte sind ein guter Nährboden für Innovation, ganzheitliches und flexibles Denken. Firmen wie die z.B. Swisscom haben durch den intensiven Einsatz des Herrmann Brain Dominanz Instrument große Erfolge in der Begleitung von agilen Prozessen erzielt.

HBDI in der Praxis – das Modell

hbdi_modellNed Herrmann (Film) hat in seinen Untersuchungen herausgefunden, dass es vier Cluster von Denkpräferenzen gibt, die sich valide immer wieder nachweisen lassen. Diese sind hier in den vier Farben dargestellt. Der Kreis symbolisiert, dass wir dann erfolgreich sind, wenn wir schaffen ganzheitlich zu Denken und zu Handeln und alle Denkpräferenzen einbeziehen. Der linke Modus sind die Denkpräferenzen für logisch, strukturiertes Denken und Entscheiden anhand konkreter Fakten. Der rechte Modus das Denken und Entscheiden nach intuitiven Kriterien. Der obere Modus (blau/gelb) sind die kognitiven Denkpräferenzen, in denen Konzepte und Fakten im Kopf vorab durchgedacht werden. Der untere Modus spiegelt die limbischen Präferenzen, im Handeln zu lernen.

Welche der vier Frage stellen Sie sich am häufigsten? Meist haben wir 2-3 Präferenzen, die wir bevorzugen. Selten sind es eine oder vier.

 Können sich meine Präferenzen im Leben ändern ?

Das Profil ist immer nur Gesprächsgrundlage und Spiegel, keine Begrenzung, denn unsere Präferenzen können wir ändern. Wir tun es nicht so häufig, denn was sich für uns als gut herausgestellt hat, behalten wir meist bei, außer es ergeben sich aus emotionalen Situationen Lernerfahrungen, die uns dazu bewegen, unsere Präferenzen neu zu ordnen. Was häufig passiert ist, dass wir die Form unseres Profils ungefähr behalten, die Form sich aber ausdehnt wie ein Gummiband oder schrumpft, je nach Situation.

Productowner oder Scrummaster? – Schauen wir uns dieses Profil gemeinsam an.

po_profil_seite1Was würden Sie sagen, für wen wäre diese Kombination an Denkpräferenzen besser. Für Productowner oder Scrumaster? Wir können aufgrund von beruflichen Erfahrungen auch außerhalb unserer Präferenzen arbeiten, nur benötigen wir dort mehr Energie, Zeit und Kraft. Starten wir damit uns die Werte anzuschauen und im Gespräch konkrete Fragen zu stellen. Wir sehen 3 Präferenzen (Profiltyp 1 und Profilwerte >66). Der höchste Wert im analytischen, fokussierten Denken. Hier ist auch die Präferenz für Finanzielles, Ziele und Entscheidungen zu finden. Inwieweit diese Präferenzen für den Profilinhaber wichtig sind, erfährt man im Gespräch und auf Seite 2 des Profils (siehe weiter unten. Gezielt lassen sich Fragen stellen und der Alltag wird mit den Profildaten abgeglichen. Gerade für Productowner sind diese Präferenzen in A sehr hilfreich, denn er/sie ist verantwortlich für den Geschäftswert des Produktes und muss mit dem Team entscheiden welche Features enthalten sein werden. Er denkt also in Nutzen und Kosten, was genau auf die blaue Präferenz hindeutet. Auch das Vorgeben einer Richtung gehört dazu. Im Gespräch hat man hier mehr Zeit, das zu vertiefen. Schauen wir jetzt auf den gegenüberliegenden roten Quadranten. Wäre hier eine Präferenz, würde der Profilinhaber bevorzugen, erst alle Beteiligten zu hören, einen harmonischen Abgleich der Wünsche anzupeilen, auf alle Bedürfnisse einzugehen und eventuell auch die Erwartungen zu erfüllen. Um Entscheidungen zu treffen, die auch manchmal unbequem sein können für einen Teil der Beteiligten, zum Beispiel weil nicht genügend Budget da ist oder auch nicht genügend Zeit, ist es gut, dass dieser Profilinhaber nicht zu hohe Werte im roten Quadranten hat. Die gelben Präferenzen sind ausgeprägt. Hilfreich für den Profilinhaber, denn Sie spiegeln ein Interesse an Entwicklung und Innovation. Das Produkt soll ja innovativ sein in der Software und auch schon zukünftige Bedürfnisse abbilden.

Was lebe ich im Alltag?  Die zweite Seite des HBDI Profils

po_profil_seite2Aus der zweiten Seite Merkmale der Arbeit kann man sehen, dass ein Teil dieser kreativen Präferenzen aufgrund der eher niedrigen Werte nicht eingesetzt wird. Was passiert da im Alltag? Hier ergibt sich weiterer Dialog. Wie sind dazu die gegenüberliegenden grünen Präferenzen zu sehen? Was bedeutet der starke Wert beim Implementieren im Alltag? Hier lässt sich konkret nachfragen, ob der PO sich eventuell überlastet und im Wust der Anforderungen der Stakeholder und des Teams untergeht und es dringend wichtig wäre, für sich persönlich eine neue Balance zu finden. Hier fehlen manchmal etwas mehr rote Denkpräferenzen, sich helfen zu lassen. Als Coach kann man im Gespräch unterstützen. Nachdem die grünen und gelben Präferenzen ähnlich hoch sind, gilt es gemeinsam zu erörtern: Wie schaut mein Arbeitsalltag aus? Was kann ich verbessern? Was kann ich loslassen bzw. abgeben? Die grüne Präferenz steht häufig auch für Perfektion, für Verantwortlichkeit und Konstanz. Könnte ich mir mit mehr Planung meinen Alltag erleichtern (Wert Planung in Grün bei Merkmale der Arbeit liegt bei 1)?

Das Skillset eines Produktowner oder Scrummasters?

Aus der Beschreibung können Sie sicher erkennen, dass man in einem solchen Gespräch sehr schnell zu den wichtigen Themen kommt. Das HBDI hilft Situationen anhand von gezielten Fragen schneller auf den Punkt zu bringen. Auch für sich selbst hilft die Reflektion von Zeit zu Zeit mit den eigenen Präferenzen. Wenn etwas nicht funktioniert im Alltag, kann man sich Inspiration und Rat holen.

Dieses Profil tendiert eher in die Richtung eines Productowners, die Kombination aus den Präferenzen für Abgrenzung, Fokus und Entscheidung (analytische Präferenzen), aus den kreativen Präferenzen (gelb) für Innovation und ganzheitliche Konzepte sowie den grünen Präferenzen für das Schritt für Schritt Vorgehen und die Strukturierung. Im Coaching kann man sich Anregung zur eigenen Weiterentwicklung holen, Orientierung und Bestätigung. Falls dieser Profilinhaber Scrummaster ist, hätte er die Möglichkeit sich zu überlegen, ob er nicht mehr Freude an einer Tätigkeit als Productowner hätte und kann im Alltag gezielter wahrnehmen, was ihm/ihr Freude macht und ob das ein nächster richtiger Schritt wäre.

HBDI ist ein kostenpflichtiges Profil, das mit dem Login des zertifizierten Trainers erstellt wird. Es kann für Einzelpersonen nützlich sein, kann auch für ein Team einen Spiegel für die Nutzung der Präferenzen im Team sein. Gerne beantworte ich Fragen dazu unter christine.neidhardt@ecomenta.de. Weitere Infos zu HBDI auf meiner Homepage.

Link zum Blogbeitrag von Patrick Koglin.